Gastbeitrag: Tue Gutes und rede nicht nur darüber #Nachhaltigkeit #CSR

„Del dicho al hecho hay un largo trecho“, lautet ein spanisches Sprichwort: „Vom Gesagten zum Getanen ist es ein langer Weg.“ In der Diskussion um die nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaft, um Wirtschaft und Konsumideologie wird in diesen Tagen hingegen gern ein anderes geflügeltes Wort zitiert: „Tue Gutes und rede darüber.“ Tatsächlich herrscht an Gerede kein Mangel. An Umsetzung leider desto mehr.

Nachhaltigkeit – wohin man hört

Dabei steht ein Paradigmenwechsel vor der Tür, das spüren wir alle. Allerorts ist von Nachhaltigkeit die Rede. Mit diesem Begriff wird geworben, er bestimmt die philosophischen Debatten, ist in aller Munde. Dass sich ein Abgrund auftut zwischen unserer immensen intellektuellen Bereitschaft und der verhaltenen praktischen Umsetzung, ahnen wir allerdings auch. Seit Jahren weiß man um klimaschädliche Treibhausgase – und? Wir blasen heute mehr davon in die Luft denn je! Wir beklagen die ungleiche Vergütung von Männern und Frauen – ohne an diesem Unrecht ernsthaft etwas zu ändern. Es ist verrückt: Wir scheinen nach dem Imperativ zu leben: „Du sollst nicht handeln!“ Allenfalls nimmt einer Zuflucht bei einer I-do-if-you-do-Haltung – mit dem Resultat, dass unterm Strich nichts passiert.

Blut auf dem Weg

2012 und 2013 kam es zu großen Unfällen in Textilfabriken in Bangladesch. Das Medienecho war gewaltig, denn in den betroffenen Fabriken wurden auch die Markenartikel produziert, die wir so gern zur Schau stellen – von Unternehmen wie Metro, Primark, KiK, Mango und Benetton. Die Standards entlang der Lieferketten stehen seitdem in der Nachhaltigkeitsdiskussion im Vordergrund. Leitlinien für CSR-Berichte richten sich nach ihnen aus, Auditors verdienen gutes Geld damit. Die breitere Öffentlichkeit hat derweil ihre Schuldigen längst gefunden: die pubertierenden 15-jährigen Mädchen, die ganz verstrahlt und rücksichtslos ihre 2-Euro-T-Shirts bei H&M kaufen. Die Erwachsenen, empört und indigniert von so viel Bewusstseinsrückstand, handeln derweil mit ihrer Bank die Raten für den neuen SUV aus (Verkaufsplus in Deutschland 2014: 14 Prozent).

Beispiel CSR-Berichte

Viele Unternehmen – allen voran die Konzerne – berichten ausführlich über ihr Nachhaltigkeitsmanagement und ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten. Internationale Berichtsstandards sollen die Vergleichbarkeit garantieren und Glaubwürdigkeit untermauern. Doch sorgen sie bisweilen eher für Informationsüberfluss und für den falschen Eindruck, dass aufwendige Nachhaltigkeitskommunikation ein Wert an sich sei und nicht nur ein integraler Bestandteil umfassender und verantwortungsvoller Unternehmensführung. Zertifizierungen können dabei zwar als externe Bestätigungen für lückenloses Berichten von Indikatoren dienen – nicht jedoch als Belege für nachhaltiges Wirtschaften. Ein Unternehmen kann vorbildlich über seinen CO2-Footprint berichten, alljährlich aber wachsende Mengen des Treibhausgases verbrauchen.

Meine aktuellen Lieblingsberichte

Fazit

An dieser Einsicht führt kein Weg vorbei: Es reicht nicht, den ökologischen Fußabdruck laut auszurufen, wenn man trotzdem für sein Schuhwerk mehr Ressourcen verbraucht, als zwei Erden liefern könnten. Wir prangern das Konsumverhalten unserer Kinder an, hören mit dem Konsum aber selbst erst auf, wenn der Arzt kommt. Anders gesagt: Wir berichten ausführlich über Nachhaltigkeit, nehmen das Thema aber nicht ernst!

Dabei gibt es allerorten auch ermutigende Signale. Vergleicht man die ersten Umwelt- und Sozialberichte großer Unternehmen mit der heutigen Berichterstattung, werden gigantische Unterschiede deutlich. Noch viel wichtiger: Betrachtet man den guten Willen der Konsumenten und die zahlreichen Kriterien, die heute jeder bei seinem Einkauf ansetzt, dann sind wir Lichtjahre von unserem Konsumverhalten vor zwei oder drei Jahrzehnten entfernt. Der Prozess, den wir in Gang gesetzt haben, entwickelt eine gewaltige Eigendynamik. Dessen erstes Opfer ist der Fatalismus. Seine stärkste Triebkraft jedoch ist: Hoffnung.

Dies ist ein Beitrag unseres Gastautors und lieben Kollegen Sven Grönwoldt von 5FN — Fünf für Nachhaltigkeit, eine Hamburger Agentur, die sich auf das Thema Nachhaltigkeit und CSR-Berichte für Unternehmen spezialisiert hat.
Vielen Dank, Sven!

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